Schulsportkonzepte wie an der Bühlschule in Giengen gelten als Gesamtorientierungen und Grundlage aller sportlichen Maßnahmen an einer Schule. Sie bedürfen der Entwicklung in der Fachgruppe Sport sowie einer Abstimmung im Gesamtkollegium beziehungsweise mit der Schulleitung. Ihre Weiterentwicklung erfordert
eine kontinuierliche Evaluation. Grundlage der Evaluation waren Interviews mit den beteiligten Trainern und Trainerinnen sowie den Lehrkräften wie auch die schriftliche Befragung der Schülerinnen und Schüler.
Im Sportkarussell sollen Schülerinnen und Schüler in einem Kooperationsprojekt Schule – Verein verschiedene Sportarten kennenlernen und so den Weg in den organisierten Sport finden. Der Zugang zu den Sportvereinen der Region wird durch Kennenlernen von Ansprechpersonen im Verein erleichtert, was insbesondere für Flüchtlingskinder und Kinder mit Migrationshintergrund gilt. Hierbei deckt jeder partizipierende Verein drei Termine im ersten Schulhalbjahr und weitere drei im zweiten Schulhalbjahr ab.
Ergebnis:
Insgesamt ist das Interesse am Sportkarussell hoch: Drei Viertel der befragten Schüler würden freiwillig und gerne noch einmal teilnehmen, lediglich 4,5 Prozent geben an, auf keinen Fall freiwillig mitmachen zu wollen. Seitens der Vereine gab es keine negative Äußerung bezüglich einer erneuten Beteiligung. Die Vereinsvertreter sind sich aber einig, dass die Teilnahmepflicht gut ist und beibehalten werden sollte.
Es zeigten sich verschiedene Auswirkungen auf den Schulalltag: Der Faktor „Mehr Bewegung im Alltag“ wird von allen Beteiligten geäußert, die Lehrkräfte stellten eine erhöhte Motivation der Schüler für den „normalen“ Sportunterricht fest. Aus Schülersicht wirkt sich das Sportkarussell positiv auf die Motivation aus, in die Schule zu gehen und ist besser als Unterricht. Aufmerksamkeitssteigerung und veränderte Sitzzeiten sind weitere Resultate. Die am häufigsten genannte Stärke des Schulsportkonzepts ist die „Vielfalt“. Diese
reicht von neuen sportmotorischindividuellen bis sozial-kooperativen Erfahrungen. Auch die Schüler schätzen das Ausprobieren und Kennenlernen von Neuem sowie Abwechslung und erhöhte Bewegungszeit.
Ebenfalls bietet das Sportkarussell die Möglichkeit, Kontakt zwischen Schülern und Vereinen zu knüpfen und so versteckte Talente zu entdecken. Darüber hinaus fördert das Konzept die Integration, weil Sprachbarrieren im Sport ein geringeres Problem darstellen und viele (Flüchtlings-) Kinder motorisch begabt sind. Als weiterer Pluspunkt wird von den Vereinen die lokal und regionale Profilierung sowie Imageverbesserung genannt.
Vereinsvertreter beklagen jedoch, dass die Zeit mit den Schülern und Schülerinnen zu kurz ist, und wünschen sich mehr als drei Termine, um den ihnen einen besseren Einblick in ihren Sport bieten zu können. Außerdem wird betont, dass viele Trainer sich für die Nachmittagszeit Urlaub nehmen
müssen. Ein weiterer Wunsch ist, die Inhalte in den Sportunterricht zu integrieren, um Gelerntes zu intensivieren.
Als ein Nachteil wird die zum Teil fehlende Motivation der Schüler genannt, für dieses Problem gibt es aber keinen Lösungsvorschlag. Auch wird kritisiert, dass Eltern zu wenig integriert sind, denn letztendlich
entscheiden sie, ob ihr Kind in einen Verein eintritt. Als Lösungsvorschlag werden Elterninformationsabende genannt.
Sportpraxis reflektiert: Das Sportkarussell – Evaluation eines Schulsportprogramms
Weyermann, E., Schlichenmaier, T. & König, S. (2020). Sportpraxis reflektiert: Das Sportkarussell – Evaluation eines Schulsportprogramms, SportPraxis, 61(2), 39-42.
Projekt-ID:61 Forschungszentrum für fachbezogene Lehr- und Lernprozesse (eh. Forschungszentrum für Sekundarbildung) • Fakultät 1 • SportwissenschaftErfasst von Uhl, Elke am 08.06.20